Der Winter ist da–Wärmedämmung aus baubiologischer Sicht

Der Verein veröffentlicht unregelmäßig Pressemitteilungen.
Diese sind bei Nennung der Quelle frei zur Veröffentlichung. Ein Belegexemplar wäre erwünscht.

Moderatoren: Ralf Holtrup, Rüdiger Weis

Antworten
Benutzeravatar
Andreas Karstedt
Power Nutzer
Beiträge: 480
Registriert: Mo 6. Nov 2006, 08:19
Wohnort: 28209 Bremen
Kontaktdaten:

Der Winter ist da–Wärmedämmung aus baubiologischer Sicht

Beitrag von Andreas Karstedt » Mi 14. Dez 2011, 17:59

Wer die vergangenen Monate genutzt hat, sein Haus oder seine Wohnung fachmännisch gegen Wärmeverluste zu dämmen, kann sich jetzt behaglich zurücklehnen.
Allen, die sich diese Arbeit für das kommende Jahr vielleicht vorgenommen oder die Zweifel an der Qualität ihrer vorhandenen Dämmung haben, sind die folgenden Hinweise aus baubiologischer Sicht zu empfehlen, wobei hier insbesondere die Fragen der Innendämmung betrachtet werden sollen.
Bei den sogenannten Wärmedämmverbund-Systemen für Außendämmungen gibt es eine Vielzahl bewährter Produkte, die sich hauptsächlich im Preis und in ihrer Ökobilanz unterscheiden – die Qualität oder Funktionalität ist fast immer ähnlich, vorausgesetzt, der ausführende Handwerker arbeitet fachgerecht und sorgfältig. Hier kann man kaum etwas verkehrt.machen!
Ein großes Problemfeld findet sich dagegen bei den Innendämmungen, damit sind Dämmschichten vor den Innenseiten von Außenwandflächen, Decken, Böden sowie bei Dächern gemeint. Hier gibt es zum einen viele Heimwerker, die gerne das unüberschaubare Angebot der Baumärkte annehmen im Glauben, sie würden sich etwas Gutes tun. Irrtümlich nehmen sie an, dass es nicht so schwierig sein könne, eine Mineralfasermatte zwischen die Dachsparren zu klemmen oder eine Lage Styropor an der Wand zu befestigen.
Zum anderen gibt es viele Handwerker, die vielleicht die Arbeit sauber erledigen, die aber oft weder das richtige Material benutzen noch die Verarbeitung vollständig richtig durchführen.
Eine korrekte und funktionierende Innendämmung ist vielmehr etwas für echte Profis, die das gesamte Umfeld der Baumaßnahme und die Bauphysik am Ort des Geschehens berücksichtigen.
Es reicht eben nicht, nur die direkte Außenwandfläche zu dämmen; die Fenster-und Türlaibungen müssen ebenso einbezogen werden wie die Decken- und evtl. Bodenkanten an der neu gedämmten Wand. Auch angrenzende Innenwände müssen auf mindestens 20 cm Breite von der Außenwand gemessen mit gedämmt werden. Oft ist es sogar ratsam, die Außenwandkanten mit einem sogenannten Dämmkeil abzuschrägen.
Zudem muss bei der Verwendung von üblichen Dämmmaterialien aus künstlichen Mineralfasern (KMF) oder Polystyrol in jedem Falle eine luft- und feuchtedichte Absperrung auf der Raumseite der Dämmung aufgebracht werden, die sogenannte Dampfsperre. Meist benutzt man dafür eine spezielle Kunststofffolie, die rundum mit dem Mauerwerk vollständig und dauerhaft verklebt werden muss. Auch etwaige Löcher, Risse oder Bahnenüberlappungen müssen sorgfältig abgeklebt werden, mit einen Spezialklebeband - Isolierband oder Kreppband reichen da nicht, schließlich soll die Klebekraft auch in 15 oder 20 Jahren noch vorhanden sein. Und auch später beim Benutzen der Wohnung dürfen mit Nägeln und Schrauben auf keinen Fall Löcher in die Folie gestoßen werden.
Das Nichtbeachten dieser Verabeitungsrichtlinien beim Aufbau einer innenliegenden Wärmedämmung führt in der Regel früher oder später zum Eindringen von Feuchtigkeit aus der Raumluft in die Dämmebene. Da die vorgenannten Materialien aber keinerlei Wasser absorbieren können, gelangt die Feuchtigkeit an die ursprüngliche Wandoberfläche, die jetzt deutlich kühler ist, als sie es ohne die Dämmung war - die Folge ist ein starker Schimmelbefall in der Dämmung, zunächst an der Grenzschicht von Mauerwerk zur Dämmung, später auch auf den Wandoberflächen der Rauminnenseite. Der Grund dafür ist die mangelhafte Dämmwirkung von feucht gewordenen Dämmstoffen bzw. weil das Material von innen heraus durchfeuchtet. Die Feuchtigkeit kann zwar durch die kleinen Risse und Verletzungen der Folie in die Dämmebene hineingelangen, aber nur noch sehr schwer wieder heraus.
Der Baubiologe Siegfried Münstermann aus Bramsche weiß da guten Rat, um solche Probleme schon im Ansatz zu vermeiden: „Im Wohnbereich kommen für mich nur Baustoffe in Frage, die aus baubiologischer und bauphysikalischer Sicht unproblematisch sind. Es ist wichtig, die Schichtdicken und das Material der Wand zu kennen, um mit Hilfe einer bauphysikalische Berechnung die Dicke der Dämmung bestimmen zu können." Auch sollten überwiegend hygroskopische und diffusionsfähige Baustoffe zum Einsatz kommen.
Verwenden kann man z.B. Dämmplatten aus Holzfasern, Flachs, Schafwolle, Stroh, oder Zelluloseflocken. Alle organischen Stoffe haben eine hohe Pufferfähigkeit bei erhöhter Feuchte und dämmen auch dann noch ausreichend, wenn sie feucht werden. Münstermann weiter:"Immer muss zwischen vorhandener Wand und dem Dämmstoff eine vollflächig vorhandene Verklebungsschicht bestehen. Aus baubiologischer Sicht eignen sich dafür Lehm - oder Kalkmörtel - auf jeden Fall muss eine hohlraumfreie und kapillar leitfähige Schichtenfolge gewährleistet sein."
Plattenwerkstoffe sollten also nur bei relativ ebenen Wandoberflächen eingesetzt werden. "Bei unebenen Wänden sollte man Dämmungen aus Schüttstoffen verwenden; mit einer Dampfbremse auf der Raumseite der Dämmung lässt sich dabei das Eindringen von Feuchte weitgehend verhindern." Aus eigener Erfahrung weiß der Baubiologe, dass eine Innendämmung unproblematisch sein kann. „Wir selber haben vor drei Jahren umgebaut und saniert. Da wir die Außenfassade des Gebäudes nicht verändern wollten, kam nur eine Innendämmung in Frage. Es wurde eine 60mm- Holzfaserdämmplatte für die raumseitige Dämmung angebracht. Damit haben wir die Innenoberflächentemperatur der Wand mit der Dämmung um ca. 2 – 4°C angehoben, welches einen Zugewinn an Behaglichkeit bedeutet und Sicherheit vor der Bildung von Kondenswasser und nachfolgendem Schimmelbefall bietet.“
Als Fazit rät Münstermann:" Beginnen Sie Innendämmungsarbeiten nie, ohne vorher fachkundigen, unabhängigen Rat eingeholt zu haben.Eine gute Adresse für kostenlosen telefonischen Rat und bei Bedarf Vermittlung von fachkundigen Messtechnikern sind die Beratungsstellen von BIOLYSA e.V."

Deren Baubiologen sind bundesweit tätig. Info-Telefon.: 0700 - 246 597 238, Verbindungskosten aus dem Festnetz: 14 Cent / Min.
http://www.biolysa.de
Mit Grüßen aus Bremen
Andreas

https://baubiologie-bremen.de

Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen!

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast